Sicherheitswarnungen · 2. November 2026

LagebildHochWird angegriffenAus dem Internet erreichbare Steuerungen von Kühl- und Tiefkühlanlagen

Angriffe auf Kühlanlagen: Supermärkte in mehreren EU-Ländern betroffen, auch Deutschland

Unbekannte haben in mehreren europäischen Ländern die Steuerungen von Kühlanlagen in Supermärkten verstellt, die Ware verdarb. Betroffen waren Anlagen, deren Verwaltung direkt aus dem Internet erreichbar war.

Worum es geht

Aus dem Internet erreichbare Steuerungen von Kühl- und Tiefkühlanlagen

Viele Kühl- und Tiefkühlanlagen werden über eine zentrale Steuerung betrieben, auf die der Kältetechniker aus der Ferne zugreifen kann, um Störungen zu erkennen und Einstellungen zu ändern. Ist diese Verwaltungsoberfläche ohne Schutz aus dem Internet erreichbar, können auch Fremde darauf zugreifen.

Genau das ist offenbar passiert. Mitte Oktober waren zunächst zahlreiche Supermärkte in Frankreich betroffen. In der Nacht auf den 2. November folgte eine zweite Welle mit mehr als 100 Filialen, unter anderem in Belgien, den Niederlanden, Schweden, Luxemburg, Irland und Estland. Laut Berichten traf es auch einzelne Märkte in Deutschland und weitere Länder. Die Angreifer stellten die Anlagen auf Abtauen und sehr hohe Solltemperaturen, sodass gekühlte Lebensmittel entsorgt werden mussten.

Wer dahintersteckt, ist offen. Belgische Ermittler und mehrere nationale Behörden befassen sich mit den Fällen, die EU-Kommission spricht von einem gezielten Angriff auf die Lebensmittelversorgung. Die Sicherheitsfirma Claroty hatte zuvor Lücken in der Steuerung Danfoss AK-SM 800A gemeldet und tausende offen erreichbare Systeme gefunden. Ob genau diese Lücken genutzt wurden, ist nicht bestätigt. Sicherheitsforscher zählen weltweit rund 13.000 offen erreichbare Kühlsteuerungen.

Betroffen

  • Kühlanlagen, deren Steuerung oder Weboberfläche direkt aus dem Internet erreichbar ist

Behoben

  • Fernzugriff nur über eine abgesicherte Verbindung (VPN oder Fernwartungslösung mit Anmeldung), Steuerung selbst nicht offen im Internet

Was jetzt zu tun ist

Die nächsten Schritte.

  1. 01

    Beim Kältetechniker nachfragen, wie Ihre Kühlanlagen aus der Ferne gewartet werden und ob die Steuerung direkt aus dem Internet erreichbar ist.

  2. 02

    Direkte Erreichbarkeit aus dem Internet abschalten lassen und den Fernzugriff nur über eine abgesicherte Verbindung mit eigener Anmeldung erlauben.

  3. 03

    Die Firmware der Steuerung aktualisieren lassen, bei Danfoss AK-SM 800A laut Claroty auf R4.3.1 oder neuer.

  4. 04

    Werkseitige oder gemeinsam genutzte Kennwörter der Steuerung durch eigene, starke Kennwörter ersetzen lassen.

  5. 05

    Temperaturalarme so einrichten, dass sie auch nachts und am Wochenende eine verantwortliche Person per Telefon oder SMS erreichen.

  6. 06

    Mit dem Kältetechniker festlegen, wie die Anlage im Notfall vor Ort von Hand betrieben werden kann.

Unterstützung

Unsicher, ob Sie betroffen sind?

Wir prüfen Ihre Systeme, spielen die Updates ein und suchen nach Spuren eines Angriffs. Sie bekommen eine klare Antwort: betroffen oder nicht. Betreuungskunden müssen nichts tun, wir kümmern uns bereits darum.

Prüfung anfragen Bereits angegriffen? Notfall-Hotline +43 680 1245 174

Veröffentlicht am 2. November 2026. Grundlage: BleepingComputer · SecurityWeek · Euronews. Von uns in eigenen Worten zusammengefasst; verbindlich sind die Hinweise des Herstellers. Alle Sicherheitswarnungen